Gefangene der Sonne

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Die Erde ist rund
4,6 Milliarden Jahre alt

Verkürzen wir zum besseren Verständnis diese Zeitspanne auf 46 Jahre.
Die Jugendjahre der Erde liegen im Dunkel der Geschichte.

Erst mit 42 Jahren begann sie zu erblühen. Nach etwa 44 Jahren bevölkerten Dinosaurier den Planeten. Vor knapp acht Monaten entwickelten sich die ersten Säugetiere, und im Verlauf der letzten Woche entstanden hominide Wesen, seit vier Stunden erst gibt es den modernen Menschen. Vor sechzig Minuten hat er den Ackerbau erlernt, und vor einer Minute begann die industrielle Revolution.

In diesen letzten sechzig Sekunden hat der Mensch die Erde in eine Müllhalde verwandelt, Tausende von Pflanzen- und Tierarten ausgerottet, Hunderte von Millionen seiner eigenen Spezies umgebracht, die Rohstoffreserven des Planeten geplündert, Boden, Luft und Wasser vergiftet und künftige Generationen mit strahlendem Abfall belastet … und alles nur für´s Geld ?

In den nächsten Sekunden werden wir alle mitentscheiden, ob wir es zulassen, dass unser Leben auf der Erde überhaupt unmöglich wird, oder ob wir ein Bewusstsein entwickeln, welches uns allen eine zukünftige und schöne Existenz auf der Erde erlaubt.

Gefangene der Sonne

Es gibt kein Gewerbe, das sich an Wichtigkeit dem Ackerbau, der Hervorbringung von Nahrungsmitteln für Menschen und Tiere, vergleichen läßt. In ihm liegt die Grundlage des Wohlseins, der Entwicklung des Menschengeschlechtes, die Grundlage der Staaten, er ist die Grundlage aller Industrien.

Doch …  ihre Generationen folgen so schnell aufeinander wie die Feuersalve eines Maschinengewehres und jede Generation bedeutet eine Chance ihre Gene neu zu ordnen und ihre Abwehrmechanismen zu verfeinern. Und sie bedürfen der raffiniertesten Abwehrmechanismen, weil wir die übelsten Waffen der modernen Kriegsführung gegen sie einsetzen.

Wir stecken sehr viel Geld in Pestizide. Die Schädlinge entwickeln Abwehrmechanismen und wir stecken sehr viel Geld in neue Pestizide.
In den industrialisierten Ländern ist dies ein Wettrüsten von irrwitzigen Außmaß.

Wir erfinden – sie leisten Widerstand. Wir ernten ungefähr 90% unserer Pflanzenproduktion. Sie den Rest. Wir bauen ein und die selbe Pflanzensorte auf riesigen Flächen an. Dadurch vermehren sich auch die Schädlinge dieser Pflanzen. Unsere Bevölkerung wächst natürlich auch und diese Tatsache alleine stellt schon einen Glücksfall für wiederum eine weitere Art von Schädlingen dar – die, die von uns leben.

Unsere Wirtschaft arbeitet für uns. Sie gibt uns Städte, Gebäudewälder – nur für uns. Aber natürlich brauchen wir auch noch die Pflanzen. Wir sind immer noch Tiere und müssen immer noch essen.  Wir haben aber genau die Pflanzen geschaffen, die wir brauchen. Wie unsere Städte, sind auch sie nur für uns da. Hier hat kein anderes Gewächs eine Chance. Für unsere Pflanzen- und Tierproduktion haben wir uns 1/3 des Landes auf der Erde angeeignet. Unser Kampf mit der Natur müßte jetzt eigendlich vorbei sein – wir haben gewonnen. Bis auf eins …

… durch den Ackerbau, der nur für uns bevorzugten Pflanzen, kommen Lebewesen die diese Pflanzen ebenfalls bevorzugen. Wir haben ihnen einen großen Gefallen getan. Doch wir betrachten dieses Leben als Rebellen der Natur und bezeichnen sie als Schädlinge. Doch wir können sie nennen wie wir wollen, – ihnen geht es hervorragend. Wenn wir wachsen, wachsen sie auch. Wie gesagt, – wir haben ihnen einen großen Gefallen getan.

Es sind immer die kleinsten Rebellen die am Weitesten kommen. Die Menschen werden daher gegen ihre schlimmsten Todfeinde geimpft. Wir bekämpfen Krankheitserreger mit Biologie, Chemie, Erfindungsgeist … und die Krankheiten schlagen zurück mit Mutation, und Resistenz.  Die Jagt nach einem neuen Impfstoff beginnt.  Einige der sich schnell verändernden Viren wenden eine wahrhaft raffinierte Taktik an. Statt nur in unseren Körper einzudringen, infiltrieren sie unser Abwehrsystem und verstecken sich in unserer DNS.  Auf diesem Schlachtfeld ist jeder Sieg hart erkämpft. Viren verfügen über eine der schnellsten Reproduktionsraten. Einige können sich in nur wenigen Stunden hundertfach vervielfältigen. Unsere Hoffnung besteht darin diese natürliche Entwicklung mit unserer Technologie überholen zu können.

Wir stehen in manchen unserer Kriege gegen die Natur vermutlich kurz vor dem Sieg. Andere gewinnen wir sicherlich wenn wir den Einsatz steigern – aber … wenn sich der Staub gelegt hat, was sind dann die Nachwehen ?

Die Macht der fossilen Brennstoffe hat uns immense Überschüsse beschert und Luxusgüter. Aber das Problem mit den Luxusgütern ist, dass sie zu Grundbedürfnissen werden sobald man sich an sie gewöhnt hat, – auch wenn man immer noch den gleichen hohen Preis dafür bezahlen muß.

Alle diese Bedürfnisse des Menschen verbrauchen Boden, Wasser, Luft und Sonne. Die Nachfrage nach diesen Rohstoffen, wie z.B. Kaffee, Tee, Kautchuk, Kakao, Zucker ist eine Antriebsfeder unserer Wirtschaft und wenn die Wirtschaft wächst, wächst auch unser Einkommen und weitere Luxusartikel werden zu Grundbedürfnissen. In dem Maße wie wir und unsere Wirtschaft wachsen, schrumpft die Natur. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht … – und es schrumpft noch mehr. Wir büßen auch einen Teil unseres Menschseins dabei ein.

Vor der Nutzung des fossilen Brennstoffes folgten die Menschen, sowie auch alle anderen Lebewesen, allein den Gesetzen der Sonne. Menschen die unterschiedliche Ressourcen nutzen, entwickeln unterschiedliche Lebensstrategien. Die Triebfeder dieser Kulturen ist die Solarenergie. Aber sobald diese Kulturen mit der fossilen Brennstoff-Kultur in Berührung kommen entstehen Spannungen.

Die fossiele Brennstoff-Kultur kann alles verdrängen was noch immer auf Sonnenbasis funktioniert und somit bedeutet Energie Wettkampf. Energie bedeutet immer Wettkamf und einige Kulturen haben dieses Zusammentreffen nicht überlebt. Wenn die Geschichte der fossilen Brennstoffära geschrieben wird, wird das Aussterben menschlicher Kulturen sicher in ebenso düsteren Farben beschrieben werden, wie das Aussterben der Tier und Pflanzenarten.
Was wird von uns die Zeiten überdauern ?

In ferner Zukunft wird man wahrscheinlich laut über jene Spezies lachen, die irgendwann einmal für kurze Zeit außer Kontrolle geriet und ihre ganze fremde Energie verbrannte. Keine Energie mehr zu haben ist aber wahrscheinlich die geringste Sorge der industrialisierten Welt.

Wenn fossile Brennstoffe, die doch nichts anderes sind als gespeicherter Sonnenschein, als fremde Energie gelten, um was geht es dann bei der Vakuum-Energie, der „freien“ Energie ? Keine schmutzige Verbrennung mehr, keine Gefahr durch Kernschmelze. Die neue Energie ist sauber und vorallem immer und über-All unbegrenzt vorhanden. Der Rohstoff könnte z.B. vollständig aus Wasser gewonnen werden und es würden nicht einmal große Mengen benötigt.

Wenn wir aber sehen, was wir jetzt schon alleine mit den fossilen Brennstoffen in der Natur anrichten, was können wir dann erst mit dieser neuen Energie erreichen ?

Eines ist sicher. Die Erde wird keinen weiteren Raum mehr hergeben. Doch wenn uns der Lebensraum ausgeht, dann weichen wir eben auf andere Planeten aus.  Dafür gibt es auch schon Pläne. Da Energie ja bald kein Problem mehr ist, wird es ein Leichtes sein Biossphären mit Monokulturen – nur für uns – auf anderen Planeten zu errichten. Aber ist es dann nicht auch sehr einsam ohne Elefanten, Nashörner, Pferde, Wildkatzen, Schlangen, Delphine, Wale … ?
Werden wir am Ende auf der Erde überhaupt noch Platz für sie haben ?

Die Macht der Sonne ermöglicht das Leben. Ständige Erbveränderungen und die natürliche Auslese unter den von ihr Gefangenen, schufen die Vielfalt.

Aber als ein Lebewesen fremde Energie entdeckte und die Anderen damit aus dem Rennen warf, wurde sein Wachstum zur Bedrohung für ALLE. Obwohl wir sehen was passiert und es auch verstehen können, wachsen unsere Völker und Wirtschaften dennoch immer weiter und wir heißen Wachstum gut.

Es gibt jedoch eine Lösung.
Sie ist einfach und liegt offen auf der Hand.
Wir müssen uns unsere eigenen Grenzen setzen.
Wir müssen die Art des  Energieverbrauchs ändern, freiwillig runterschalten.

Doch das Wachstum einstellen ?
Ein schockierender Vorschlag.
Alleine der Gedanke daran ist unvorstellbar, denn die Natur ist permanentes Wachstum …